Alexandra Kärgel, Expertin für Unternehmensnachfolge, lächelnd in hellblauem Blazer an einem Sommertag vor der Burg Cochem an der Mosel

Gefühle als Nachfolgerin

Du hast das Familienunternehmen übernommen oder stehst kurz davor. Trotzdem hast du das Gefühl, dass deine Stimme nicht ganz zählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachfolgerinnen kämpfen oft mit dem Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören, obwohl sie längst Verantwortung tragen.
  • Einsamkeit an der Spitze entsteht nicht durch fehlende Menschen, sondern durch fehlende Räume, in denen alles gesagt werden darf.
  • Grenzen setzen gegenüber dem eigenen Vater bedeutet, eine ganze Beziehung neu zu verhandeln, nicht nur Zuständigkeiten.
  • Diese Gefühle sind keine persönliche Schwäche, sondern eine logische Reaktion darauf, dass zwei Systeme, Familie und Unternehmen, gleichzeitig etwas von dir verlangen.

Kennst du das? Dann bist du nicht allein. Das ist kein persönlicher Makel. Das ist ein Muster, das fast jede Nachfolgerin am Anfang kennt. Nur spricht kaum jemand offen darüber.

Warum fühlen sich viele Nachfolgerinnen fehl am Platz?

Weil du täglich beweist, dass du es kannst, und dich innerlich trotzdem fühlst, als gehörtest du noch nicht dahin. Als müsstest du dir deinen Platz an der Spitze immer wieder neu verdienen, während er für andere selbstverständlich war. Dieses Gefühl nimmt keiner wahr, doch ist es immer mit dabei. In jeder Besprechung und in jeder Entscheidung.

Warum ist die Spitze so einsam?

Weil der Raum fehlt, in dem alles gesagt werden darf, nicht weil Menschen fehlen. Mitarbeitende, die Familie, der Freundeskreis sind alle da. Und trotzdem niemand, mit dem du wirklich aussprechen kannst, was in dir vorgeht. Die Unsicherheit vor einer großen Entscheidung. Die Erschöpfung, die du nach außen nicht zeigen darfst. Das Gefühl, jede Entscheidung doppelt rechtfertigen zu müssen, weil du eine Frau bist oder einfach die Tochter.

Diese Einsamkeit entsteht nicht, weil Menschen fehlen. Sie entsteht, weil der Raum fehlt, in dem alles gesagt werden darf. Jede bleibt mit ihren Gefühlen allein.

Grenzen setzen, wo vorher keine waren

Und vielleicht kennst du dieses Ringen, Grenzen zu setzen gegenüber jemandem, der dir eigentlich nahesteht. Ich kenne es aus meiner langen Zeit als Nachfolgerin. Grenzen setzen gegenüber dem eigenen Vater ist etwas völlig anderes als gegenüber einem Mitarbeitenden. Man verhandelt nicht nur Zuständigkeiten. Man verhandelt eine ganze Beziehung neu, während gleichzeitig das Familienunternehmen weiterlaufen muss. Und Kunden und Mitarbeitende sollen keine Unsicherheiten spüren.

Ich habe selbst schlaflose Nächte gehabt. Eine einzige Sitzung, eine einzige Bemerkung, die noch tagelang nachwirkte. Enttäuschung darüber, dass Respekt in meiner eigenen Familie nichts Selbstverständliches war, sondern etwas, das ich mir jeden Tag neu erarbeiten musste. Ich erzähle dir das nicht, damit es um mich geht. Ich erzähle es, damit du merkst: Diese Gefühle sind real. Und sie haben nichts mit deiner Eignung zu tun.

Was steckt psychologisch hinter diesen Gefühlen?

Eine logische Reaktion darauf, dass zwei Systeme gleichzeitig etwas von dir verlangen. Als Ex-Nachfolgerin und heutige Psychologin kann ich einordnen, was viele Nachfolgerinnen nur diffus spüren. Diese Gefühle sind keine persönliche Schwäche. Zwei Systeme, die Familie und das Unternehmen, treffen aufeinander und verlangen beide etwas anderes von dir. Kein Wunder, dass das etwas mit einem macht.

Das zu wissen, verändert etwas. Aus einem belastenden Gefühl wird etwas, mit dem du arbeiten kannst, statt dagegen anzukämpfen.

Ich verstehe dich

Das ist mein Grundsatz, seit ich mit Nachfolgerinnen arbeite. Es geht nicht darum, dass ich alles besser weiß. Es geht darum, dass ich weiß, wovon ich spreche, weil ich es selbst durchlebt habe. Mit 26 habe ich das Familienunternehmen übernommen. Niemand hat mich gefragt, ob ich damals wirklich bereit war. Ich war es nicht und ich habe es trotzdem gemacht. Den Einstieg als Nachfolgerin kenne ich genauso wie den Ausstieg, als ich meine eigenen Anteile nach fast 30 Jahren verkauft habe. Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, dann verstehst du auch, warum ich das für so wichtig halte.

Warum ich gerade ein Buch darüber geschrieben habe

Genau diese Themen, das Gefühl nicht dazuzugehören, die Einsamkeit, das Grenzen setzen, um Anerkennung ringen, das ist der Kern meines neuen Buches für Nachfolgerinnen. Kein klassischer Ratgeber für Verträge und den perfekten Übergabeplan. Es ist ein Buch, das genau da ansetzt, wo du dich vielleicht gerade wiedererkannt hast. Ich will damit etwas beitragen, das über die vielen Programme und Bücher hinausgeht, die es schon gibt.

Häufige Fragen

Warum fühlen sich viele Nachfolgerinnen nicht ernst genommen?

Weil Respekt in Familienunternehmen oft nicht selbstverständlich ist. Töchter müssen ihn sich häufig erst erarbeiten, während er Söhnen oft automatisch zugestanden wird.

Warum ist Einsamkeit in der Nachfolge so verbreitet?

Weil der Raum fehlt, in dem Unsicherheit und Erschöpfung offen ausgesprochen werden dürfen. Nicht, weil es an Menschen fehlt.

Wie setze ich Grenzen gegenüber dem eigenen Vater?

Indem du verstehst, dass du nicht nur Zuständigkeiten verhandelst, sondern eine ganze Beziehung neu ordnest, während das Unternehmen weiterläuft.

Sind diese Gefühle ein Zeichen von Schwäche?

Nein. Sie sind eine logische Reaktion darauf, dass zwei Systeme, Familie und Unternehmen, gleichzeitig etwas von dir verlangen.

Wann erscheint dein Buch für Nachfolgerinnen?

Der Titel ist noch geheim. Wer es zuerst erfahren möchte, trägt sich am besten gleich in meinen Newsletter ein.

Trag dich jetzt ein

Wenn dich diese Themen ansprechen, wenn du selbst gerade übernimmst oder kurz davorstehst und dich manchmal fragst, ob deine Stimme zählt, dann melde dich für meinen Newsletter an. Du erfährst als Erste, wann mein Buch für Nachfolgerinnen erscheint.