Annehmen was ist und dann weitermachen.
Du hast einen Plan gemacht und monatelang alles akribisch vorbereitet. Und dann kam doch alles anders. Wenn du dich gerade darüber ärgerst, dass nichts so läuft wie gedacht: Das ist keine Ausnahme, das ist oft die Regel. Gerade in der Nachfolge passieren Dinge, die Flexibilität verlangen und starke Nerven.
- In der Nachfolge laufen zwei Systeme gleichzeitig, das Unternehmen und die Familie. Deshalb sind deine Pläne von Anfang an störanfälliger.
- Anpassungsfähigkeit ist kein angeborenes Talent, das du hast oder nicht hast. Die Psychologie beschreibt sie als Prozess, und du kannst sie trainieren.
- Annehmen, was du nicht ändern kannst, heißt nicht aufgeben. Es ist der schnellste Weg zurück in die Handlungsfähigkeit.
- Ziele zu planen bleibt wichtig. Halte am Ziel fest, nicht am genauen Weg.
Warum kommt es in der Nachfolge nie so, wie du denkst?
Weil nie nur ein System läuft, sondern zwei gleichzeitig. Das Unternehmen hat seine eigene Logik: Zahlen, Verträge, Kunden, Mitarbeitende. Die Familie hat ihre eigene Dynamik: Beziehungen, Erwartungen und Rollen, die seit der Kindheit feststehen und nie jemand hinterfragt hat. Beide ticken nach unterschiedlichen Regeln. Und beide wollen gleichzeitig etwas von dir.
Ein Lieferant fällt aus, und im selben Moment wird jemand in der Familie krank. Ein Gesetz ändert sich über Nacht, und im selben Monat kündigt die Person, die im Betrieb alles zusammenhält, während in der Familie schon wieder alles infrage gestellt wird. Das heißt nicht, dass du schlecht geplant hast. Das ist der Normalzustand, wenn zwei Systeme aufeinandertreffen, die sich nicht absprechen.
Was sagt die Psychologie zur Anpassungsfähigkeit?
Die American Psychological Association beschreibt Adaptabilität als die Fähigkeit, angemessen auf veränderte Situationen zu reagieren und das eigene Verhalten anzupassen. Die Forscher Steven Boylan und Kenneth Turner haben das 2017 im Journal of Leadership Education noch geschärft: Zu echter Anpassungsfähigkeit gehört, Veränderung vorherzusehen und mit kreativen, neuen Lösungen zu antworten. Nicht erst zu reagieren, wenn es schon zu spät ist.
Der Bildungspsychologe Andrew Martin kam 2012 in seiner Forschung zu einem klaren Ergebnis: Anpassungsfähigkeit ist die wichtigste Eigenschaft, um mit Wandel und Unsicherheit umzugehen. Für dein Wohlbefinden als Mensch. Und für deinen Vorsprung als Unternehmerin.
Und noch etwas ist wichtig: Anpassungsfähigkeit ist kein Talent, das du hast oder nicht hast. Die moderne Resilienzforschung versteht sie als Prozess, nicht als festen Charakterzug. Das heißt: Du kannst sie trainieren. Mit jeder Situation, in der du dich neu ausrichtest, wird es beim nächsten Mal ein Stück leichter. Ich persönlich kann das nur bestätigen, was natürlich auch bedeutet, dass vieles in meinem Leben nicht gerade gelaufen ist. Was traurig, schmerzhaft und nervenaufreibend war. Anfangs glaubt man, das alles nicht bewältigen zu können. Aber es ist wahr, dass man mit jeder neuen Situation über sich hinauswächst und besser mit unvorhersehbaren Ereignissen und Schicksalsschlägen umgehen kann. Gestärkt aus jeder Krise zu kommen ist zu meinem Lebensmotto geworden.
Für mein Buch hatte ich mir einen festen Zeitplan gemacht. Monatelang vorbereitet. Dann kam an zwei Stellen etwas dazwischen, das niemand auf dem Zettel hatte und auf das ich keinen Einfluss habe. Ich bin nur am Rande betroffen. Ändern kann ich es trotzdem nicht, also warte ich ab, bis es weitergeht. Genau darum schreibe ich diesen Artikel. Viele Nachfolgerinnen erzählen mir dieselbe Geschichte, nur mit anderen Namen und anderen Umständen. Ein fester Zeitplan und alles monatelang vorbereitet. Und dann kommt etwas von außen, das niemand auf dem Zettel hatte: ein Gesetz, ein Krankheitsfall, ein Vertragspartner, der abspringt. Der Unterschied zwischen den Frauen, die daran zerbrechen, und denen, die stärker daraus rausgehen, liegt selten im Ausmaß des Rückschlags. Er liegt darin, wie schnell sie den alten Plan loslassen und sich ein neues Ziel setzen.
Wie hilft dir Akzeptanz, wenn ein Plan zerbricht?
Der griechische Philosoph Epiktet hat vor rund 2000 Jahren eine Unterscheidung getroffen, die bis heute in der Verhaltenstherapie angewendet wird: die Dichotomie der Kontrolle. Manche Dinge liegen in deiner Macht. Deine Entscheidungen, deine Haltung, dein nächster Schritt. Andere Dinge liegen außerhalb deiner Macht. Das Verhalten anderer, äußere Ereignisse, Zufälle. Wer beides gleichzeitig kontrollieren will, verbraucht seine Energie am falschen Ort.
Genau dieses Prinzip steckt auch in der kognitiven Verhaltenstherapie: Nicht die Situation selbst bestimmt, wie es dir geht, sondern deine Bewertung der Situation. Und die kannst du beeinflussen.
Übertragen auf deine Nachfolge heißt das: Überleg zuerst, was du wirklich ändern kannst und was nicht. Was du nicht ändern kannst, nimm erst mal an, so wie es ist. Das ist keine Resignation. Das ist der Schritt, der dir den Kopf wieder frei macht, um weiterzumachen. Was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren. Danach geht der Blick dahin, wo du selbst etwas bewegen kannst.
Ist Planung dann überhaupt noch sinnvoll?
Ja, unbedingt. Zu wissen, wo du hinwillst, bleibt wichtig. Nur wird der Weg dorthin niemals gerade sein. Wer sich an einen einzigen, genauen Plan klammert, verliert genau die Fähigkeit, die in der Nachfolge am meisten zählt: sich anzupassen, ohne die eigene Richtung aus den Augen zu verlieren.
Ein starres Denkmuster macht es schwer, sich auf Neues einzustellen. Wer offen für Veränderung bleibt und bereit ist, die eigenen Annahmen zu hinterfragen, kommt aus Rückschlägen schneller wieder raus. Halte am Ziel fest. Halte nicht am Weg fest.
Wie wirst du selbst anpassungsfähiger?
Anpassungsfähigkeit entsteht selten in der einen großen Krise. Sie entsteht in kleinen, wiederholten Routinen im Alltag. Diese vier Schritte helfen dir dabei:
- Trennen. Frag dich bei jedem Rückschlag als Erstes: Kann ich das ändern, oder nicht? Allein diese Frage bringt Klarheit.
- Annehmen. Was du nicht ändern kannst, nimm bewusst an, statt dagegen anzukämpfen. Ankämpfen kostet Energie, die du woanders brauchst.
- Neu ausrichten. Setz dir sofort ein neues, erreichbares Ziel, statt im alten Plan zu verharren und dich darüber zu ärgern.
- Reflektieren. Schau dir hinterher an, was dir beim Anpassen geholfen hat. Das macht dich beim nächsten Mal schneller.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Als Sparringspartnerin helfe ich dir, in stürmischen Momenten den klaren Kopf zu behalten und dein nächstes Ziel zu finden. Es wäre mir eine Freude, ein Stück deines Weges mitzugehen.
Termin buchenHäufige Fragen
Weil zwei Systeme gleichzeitig auf dich einwirken, Unternehmen und Familie. Störungen kommen dadurch häufiger und oft von zwei Seiten gleichzeitig.
Nein, die Forschung beschreibt sie als Prozess, nicht als festen Charakterzug. Du kannst sie mit jeder gemeisterten Situation weiterentwickeln.
Nein, die Akzeptanz heißt, dass du zuerst annimmst, was du gerade nicht ändern kannst. Danach richtest du deine Energie bewusst auf das, was in deiner Macht steht.
Nein, ein klares Ziel bleibt wichtig. Nur solltest du dich nicht an einen einzigen, genauen Weg dorthin klammern, sondern flexibel bleiben, wie du dieses Ziel erreichst.
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