Drei Jahre kein Urlaub. Selbstfürsorge stand bei mir in den letzten Wochen auch nicht ganz vorne, bis ich sie mir diesen Sommer jetzt wirklich genommen habe. Eine Stippvisite in Hamburg, eine Kreuzfahrt um Großbritannien und kurz nach der Rückkehr, ein Satz von Friedemann Schulz von Thun, der mich aktuell beschäftigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach drei Jahren ohne Urlaub habe ich mir bewusst eine reine Erholungsreise gegönnt, mit einer Stippvisite in Hamburg, wo gerade mein Buch entsteht.
  • Friedemann Schulz von Thun beschreibt in seinem Buch „Erfülltes Leben“, wie wir positive Dinge und Erfahrungen in Schubladen packen und dann nie wieder aufmachen.
  • Genau das habe ich selbst erlebt: Einen gemeisterten Übergang als selbstverständlich abgehakt, statt ihn mir bewusst zu machen.
  • Ein erfülltes Leben braucht nicht nur Spaß. Es braucht auch die Sinnfrage, und die Bereitschaft, den eigenen Schalter umzulegen.

Warum hatte ich drei Jahre keinen Urlaub?

Ganz einfach: Es ist einfach nicht dazu gekommen. Das ist der Fakt, mehr braucht es dazu gar nicht zu sagen. Wer eine Nachfolge gestaltet oder eine eigene Praxis aufbaut, kennt diesen Satz vermutlich: Eigentlich will ich kürzertreten, aber irgendwie komme ich nicht dazu. Diesmal wollte ich es anders machen. Nicht wieder ein Urlaub mit Anspruch und Programm, sondern reine Erholung. Abstand zum Alltag und zum Business, einmal rund um Großbritannien, auf einem Schiff.

Was hat Hamburg mit meinem Buch zu tun?

Bevor es aufs Schiff ging, war ich auf Stippvisite in Hamburg, bei Christiane Hartz-Aldag. In ihrer Druckerei und ihrem Verlag entsteht gerade mein Buch „Weg frei für Nachfolgerinnen“. Das war eigentlich die Hauptgeschichte dieser Reise. Wer schon einmal ein eigenes Projekt bis kurz vor die Ziellinie begleitet hat, kennt dieses Gefühl: Man will es noch einmal mit eigenen Augen sehen, bevor es in die Welt geht. Papier in der Hand halten, das bald ein fertiges Buch sein wird. Über die heiße Phase davor hatte ich hier im Blog schon geschrieben. Jetzt kam ich der Sache noch ein Stück näher.

Warum weißt du auf einem Schiff nie, wer wirklich neben dir sitzt?

Von Hamburg ging es weiter aufs Schiff, mit dem einzigen Auftrag: nichts müssen. Ganz weg war ich trotzdem nicht, mein Buchprojekt lief parallel weiter, auch an Deck. Ich bin dort viele Runden gegangen, zügig, bei Sturm, bei Nieselregen, bei Sonne. Mal ging der Blick nur aufs Meer, mal auf die Landschaften an der Küste, mal auf die Menschen um mich herum.

Und genau das war spannend: An Bord begegnen dir Menschen, über die du nichts weißt. Manche haben sich mit Bier und Cocktail runtergefahren. Andere lagen mit Decke und Buch ausgestreckt da. Wieder andere haben Karten gespielt, sind im Pool geschwommen oder im Fitnessstudio aufs Laufband oder aufs Rad gegangen. Jede und jeder auf dem eigenen Weg zu einem erfüllten Urlaub. Vielleicht war sogar eine Nachfolgerin dabei, die gerade genau an dem Punkt steht, an dem ich vor 30 Jahren stand. Man sieht es niemandem an.

Was hat mir Friedemann Schulz von Thun über ein erfülltes Leben gezeigt?

Genau dieses Bild von den Mitreisenden ist mir wieder eingefallen, gestern, kurz nach der Rückkehr. Ich habe eine Vorlesung der AIHE mit Friedemann Schulz von Thun gesehen, eine Koryphäe der Kommunikationspsychologie und ein Vorbild für viele in Coaching und Beratung. Er hat gerade sein Buch „Erfülltes Leben“ herausgebracht und wirft mit über 80 noch einmal einen anderen Blick auf das Leben, einen Blick, von dem wir gerade auch in jungen Jahren als Nachfolgerin profitieren können. Zu leben heißt nicht, es dermaßen voll zu packen, dass uns die Luft wegbleibt. Manchmal ist weniger mehr.

Ein Gedanke hat mich besonders getroffen: Alles Positive, was wir im Leben erfahren, packen wir gern schnell in Schubladen. Wir halten es für selbstverständlich und machen die Schublade nie wieder auf. Ich habe sofort gemerkt, wie sehr das auf mich zutrifft. Den Übergang in meiner eigenen Nachfolge habe ich gemeistert, und dann als selbstverständlich abgehakt, dass es einfach so weitergeht. Es ging auch so weiter. Aber ich habe nie wieder bewusst hingeschaut, was ich mir damit selbst erarbeitet hatte.

Aus meiner Praxis

Diese Schubladen kenne ich auch von meinen Klientinnen. Eine Nachfolgerin übersteht ihr erstes hartes Verhandlungsgespräch, und schon am nächsten Tag ist es abgehakt. Eine andere setzt sich zum ersten Mal gegen den Vater durch und eine Woche später redet niemand mehr darüber. Dabei ist genau das der Beweis, dass sie es kann. Ich mache mit meinen Klientinnen genau diese Schubladen noch einmal auf. Mache ihnen die Dinge bewusst, die sie schon bewältigt haben, aber dann in die Schublade gesteckt haben und sich der eigentlichen Leistung nicht mehr bewusst sind.

Wie legst du als Nachfolgerin den Schalter für mehr Selbstfürsorge um?

Schulz von Thun bringt es auf die Sinnfrage zurück. Nicht alles, was wir tun, macht Spaß. Das ist zwar wünschenswert, funktioniert aber nicht immer. Dann schaue ich mir an, welchen Sinn es hat. Wenn ich aufräume oder putze, schaffe ich mir ein gemütliches, sauberes Zuhause. Wenn ich jemandem einen Gefallen tue, sehe ich das Glück des anderen. Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit sind enorm wichtig, gerade wenn etwas nicht so gut läuft. Man kann mit einem Schalter in einen anderen Modus wechseln und die Sicht der Dinge in eine andere Perspektive rücken.

Ich habe das selbst erlebt, als ich ein Feedback bekam, das ich zuerst als Kritik empfunden habe. Ich habe den Schalter umgelegt, richtig zugehört, statt mich zu verteidigen, und das Feedback als Chance gesehen. Am Ende war etwas Positives daraus entstanden, das ich sonst gar nicht gesehen hätte. Genau das schreibe ich auch in meinem Buch: Unterstützung anzunehmen und wirklich zuzuhören ist keine Schwäche. Es ist kluge Führung, auch Führung von dir selbst.

Ein paar Fragen, die ich mir nach dieser Reise selbst gestellt habe, und die ich dir gerne weitergebe:

  1. Welche gute Erfahrung hast du in letzter Zeit in eine Schublade gepackt, statt sie dir noch einmal bewusst zu machen?
  2. Wo in deiner Nachfolge macht eine Aufgabe gerade keinen Spaß, aber trotzdem Sinn?
  3. Wann hast du zuletzt ein Feedback als Kritik gehört, das eigentlich eine Chance war?
  4. Was würde sich ändern, wenn du deinen eigenen Schalter öfter bewusst umlegst?

Trägst du auch ein Thema mit dir herum, für das dir gerade der richtige Raum fehlt? Lass uns reden. Ich freue mich auf dich.

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Häufige Fragen

Warum ist Selbstfürsorge für Nachfolgerinnen so wichtig?

Weil Nachfolge über Jahre läuft, nicht über Wochen. Wer nie wirklich abschaltet und gute Erfahrungen nie bewusst wahrnimmt, läuft Gefahr, sich selbst zu vergessen.

Was meint Friedemann Schulz von Thun mit den Schubladen im „Erfüllten Leben“?

Dass wir positive Erfahrungen als selbstverständlich abhaken und nie wieder bewusst anschauen, statt sie uns immer wieder klarzumachen.

Muss ich mein Unternehmen komplett loslassen, wenn ich in den Urlaub fahre?

Nein. Auch bei mir lief mein Buchprojekt während der Reise weiter. Wichtig ist, bewusst zu entscheiden, was mitreist und was zu Hause bleibt, statt es dem Zufall zu überlassen. Mehr dazu in meinem Artikel über Work-Life-Blending.

Wie gehe ich mit Feedback um, das sich zuerst wie Kritik anfühlt?

Am besten, indem du zuerst zuhörst, statt dich zu verteidigen. Oft steckt darin eine Chance, die du sonst übersiehst.

Update & Erscheinungstermin

Über mich

Ich habe als Nachfolgerin selbst den Einstieg, die Fusionierung und den erfolgreichen Verkauf meiner Anteile durchlebt. Dieses Wissen gebe ich an Nachfolgerinnen in Familienunternehmen weiter. 30 Jahre Erfahrung als Nachfolgerin und Unternehmerin. Psychologin MSc. und MasterCoach.

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