Seit drei Wochen ist mein Buch „Weg frei für Nachfolgerinnen“ erschienen. Den Titel habe ich nicht zufällig gewählt. „Weg frei“ steht für viel mehr als für eine Tochter, die ein Unternehmen übernimmt. Es geht um die Generation, die loslassen darf, um die Nachfolgerin, die sich und das Unternehmen weiterentwickeln will und um alle Menschen drumherum, die mitgehen müssen. Und dann kamen die ersten Rückmeldungen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Weg frei“ ist ein Symbol mit drei Ebenen: Die abgebende Generation lässt los, die Nachfolgerin entfaltet sich, und das ganze Umfeld zieht mit.
  • Loslassen fällt schwer, weil das Unternehmen oft ein Teil der eigenen Identität ist. Die Psychologie kennt dafür einen hilfreichen Gegenentwurf, die Generativität.
  • Mitarbeitende, Kunden, Bank, Steuerberatung, IT, Lieferanten, Familie und Freunde gehören dazu. Wenn sie blockieren, sieht die Nachfolgerin ihren eigenen Weg nicht.
  • Das Buch gibt es bewusst zuerst gedruckt. Es soll auf dem Tisch liegen und sichtbar bleiben, und es lässt sich gut häppchenweise lesen.
  • Die ersten Leserinnen und Leser sind längst nicht nur Nachfolgerinnen. Viele denken beim Lesen über ihren eigenen beruflichen Weg nach.

Was bedeutet „Weg frei“ eigentlich?

Als der Titel feststand, wusste ich sofort: Das ist er. „Weg frei“ klingt nach Aufbruch, und genau das ist Nachfolge auch. Aber hinter den zwei Wörtern steckt mehr als ein Startsignal. Für mich hat „Weg frei“ drei Ebenen, und alle drei müssen zusammenpassen, damit eine Nachfolge gelingt.

Weg frei, weil die Alten loslassen

Die Generation, die übergibt, macht Platz. Nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Büro, in den Köpfen und am Küchentisch.

Weg frei, damit du dich entfaltest

Die Nachfolgerin darf ihren eigenen Stil entwickeln, statt alte Wege einfach fortzuführen. Sie hinterlässt eigene Spuren.

Weg frei auch für alle anderen

Mitarbeitende, Kunden, Beraterinnen, Banken, Lieferanten, Familie und Freunde gehen den Wechsel mit. Wer hier blockiert, versperrt der Nachfolgerin die Sicht.

In meinem Buch beschreibe ich, was passiert, wenn auf einer dieser Ebenen etwas klemmt. Nachfolge ist kein einzelner Moment, an dem jemand den Schlüssel übergibt. Es ist ein Veränderungsprozess, in dem zwei Systeme aufeinandertreffen, die Logik des Unternehmens und die Dynamik der Familie. Dabei tauchen immer wieder dieselben drei Fragen auf: Wann passiert was? Wer übernimmt welche Rolle? Und wer entscheidet wirklich?

Warum fällt der abgebenden Generation das Loslassen so schwer?

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihr Lebenswerk über Jahrzehnte aufgebaut. Das Unternehmen ist für sie nicht nur Arbeit, es ist ein Teil von ihnen. Wer loslässt, gibt deshalb nicht nur Verantwortung ab, sondern auch ein Stück Identität. Die Frage „Wer bin ich ohne meine Firma?“ wird selten laut gestellt. Sie steht aber im Raum, wenn der Senior noch jeden Morgen als Erster im Büro sitzt, obwohl die Tochter längst unterschrieben hat.

Ich kenne beide Seiten. Mit 26 Jahren übernahm ich die Nachfolge im Familienunternehmen meines Vaters. Fast 30 Jahre später verkaufte ich meine Anteile. Ich weiß also nicht nur, wie es ist, wenn einem der Weg nicht frei gemacht wird. Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, selbst loszulassen.

Der psychologische Blick

Der Psychoanalytiker Erik Erikson hat für die zweite Lebenshälfte den Begriff Generativität geprägt. Gemeint ist das Bedürfnis, etwas weiterzugeben, das über das eigene Leben hinaus wirkt. Das Gegenstück nennt er Stagnation, also das Festhalten am Bestehenden. Für die abgebende Generation kann das ein hilfreicher Perspektivwechsel sein. Loslassen ist dann kein Verlust, sondern die Vollendung des Lebenswerks. Wer den Weg frei macht, sorgt dafür, dass das Aufgebaute weiterlebt.

Das gilt übrigens nicht nur für Familienunternehmen. Jede Führungskraft, die ihr Team übergibt, und jeder Experte, der sein Wissen an Jüngere weitergibt, steht vor derselben Frage.

Was versperrt der Nachfolgerin die Sicht auf ihren Weg?

Manchmal stehen die Hindernisse sichtbar im Weg. Da ist der Vater, der jede Entscheidung noch einmal prüft. Es gibt keinen klaren Übergabeplan, und die Rollen sind ungeklärt. Oft liegen die Hindernisse aber im Inneren. Dieses Gefühl, nicht dazuzugehören und nichts zu können, kennen viele Nachfolgerinnen. Erfolge werden dem Zufall zugeschrieben, und Lob prallt einfach ab. Wer ständig mit dem Vorgänger verglichen wird, vergleicht sich irgendwann auch selbst.

Weg frei heißt hier deshalb auch, sich selbst nicht im Weg zu stehen. Das ist leichter gesagt als getan. In meinem Buch beschreibe ich offen, wo ich an mir gezweifelt habe und wo ich mit Situationen schlicht überfordert war. Und ich erzähle, was mir geholfen hat, trotzdem weiterzugehen. Mehr dazu, wie du mit solchen Momenten umgehen kannst, findest du in meinem Artikel über Gefühle als Nachfolgerin.

Der psychologische Blick

Der Psychologe Albert Bandura hat gezeigt, dass Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, eine Aufgabe aus eigener Kraft zu bewältigen, vor allem durch eigene Erfolgserlebnisse wächst. Eine zweite starke Quelle sind Vorbilder, die einem ähnlich sind. Wer sieht, dass eine andere Frau es geschafft hat, traut es sich selbst eher zu. Genau dafür habe ich mein Buch geschrieben. Es ist ein Mutmachbuch. Warum der Blick auf die eigenen Stärken so viel bewirkt, beschreibe ich auch in Positive Psychologie in der Nachfolge.

Wer muss noch den Weg frei machen?

Eine Nachfolge betrifft weit mehr Menschen als Vater und Tochter. Das wird oft unterschätzt. Jede einzelne Gruppe hat ihre eigenen Fragen, Gewohnheiten und Erwartungen. Und jede kann den Weg frei machen oder ihn versperren.

Mitarbeitende

Sie geben der Nachfolgerin eine echte Chance, statt sie jeden Tag am Vorgänger zu messen.

Kunden

Sie vertrauen darauf, dass Qualität und Verlässlichkeit bleiben, auch wenn das Gesicht an der Spitze wechselt.

Bank, Steuerberatung und Beratung

Sie sprechen die Nachfolgerin direkt an und rufen nicht mehr heimlich beim Senior an.

IT und Lieferanten

Sie stellen Zugänge, Prozesse und Absprachen auf die neue Führung um.

Die ganze Familie

Sie respektiert die neue Rolle, im Unternehmen genauso wie beim Sonntagsessen.

Freundinnen und Freunde

Sie haben Verständnis, wenn weniger Zeit bleibt, und sind trotzdem da.

Gerade der letzte Punkt wird gern vergessen. Wer eine Nachfolge antritt, hat plötzlich weniger Zeit für Verabredungen, Geburtstage und spontane Abende. Das ist keine Absage an die Freundschaft, sondern eine Phase. Gute Freunde verstehen das. Umso wichtiger ist es, die eigene Selbstfürsorge nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu kommt etwas, das vielen erst spät bewusst wird: Mit jeder Unterschrift trägt die Nachfolgerin die volle Verantwortung, auch wenn andere noch mitreden.

Einsamkeit in der Nachfolge entsteht nicht durch fehlende Menschen, sondern durch fehlende Räume, in denen alles ausgesprochen werden kann.

Der psychologische Blick

Die Organisationsforscherin Amy Edmondson spricht von psychologischer Sicherheit. Gemeint ist ein Klima, in dem Menschen Fragen stellen, Fehler zugeben und Bedenken äußern können, ohne Nachteile zu befürchten. In einer Nachfolge braucht es dieses Klima doppelt. Das Team braucht es, um sich auf die neue Führung einzulassen. Und die Nachfolgerin braucht es selbst, um offen über das zu sprechen, was sie gerade bewegt. Genau deshalb ist Unterstützung zu holen keine Schwäche, sondern kluge Führung.

Warum gibt es mein Buch zuerst nur gedruckt?

Das ist eine bewusste Entscheidung. „Weg frei“ soll ein Symbol sein, und ein Symbol braucht einen Platz. Ein gedrucktes Buch kannst du dir auf den Schreibtisch legen. Es liegt da, wenn das nächste schwierige Gespräch ansteht, und es erinnert dich daran, dass du mit deinen Herausforderungen nicht allein bist. Eine Datei verschwindet dagegen schnell in einem Ordner, den man selten öffnet.

Gedruckt wurde mein Buch in Hamburg bei Christiane Hartz-Aldag in ihrer Druckerei und ihrem Verlag. Dort kannst du es auch direkt bestellen.

Der psychologische Blick

Was wir sehen, beeinflusst, was wir tun. Sichtbare Dinge in unserer Umgebung wirken als Erinnerungsanker und machen es wahrscheinlicher, dass wir an einem Thema dranbleiben. Und die Lernpsychologie liefert noch ein Argument: Schon Hermann Ebbinghaus hat im 19. Jahrhundert beschrieben, dass wir Inhalte besser behalten, wenn wir sie über mehrere Zeitpunkte verteilt aufnehmen, statt alles auf einmal. Der Fachbegriff dafür ist Spacing-Effekt. Wer etwas immer wieder hervorholt, verankert es zusätzlich.

Ich weiß, dass viele noch nicht die Zeit gefunden haben, das Buch komplett zu lesen. Das ist völlig in Ordnung. Du musst es nicht in einem Rutsch lesen. Die Kapitel stehen für sich, und die Merkkästen fassen das Wichtigste zusammen. So kannst du mit dem Buch arbeiten:

  1. Leg es dorthin, wo du arbeitest. Nicht ins Regal, sondern auf den Tisch, wo du es jeden Tag siehst.
  2. Fang mit dem Kapitel an, das dich gerade am meisten beschäftigt. Du musst nicht vorne beginnen.
  3. Hol dir die Merkkästen immer wieder hervor. Markiere dir, was gerade zu deiner Situation passt, und lies weiter, wenn du wieder Luft hast.

Welches Kapitel passt gerade zu dir? Hier ist ein kleiner Kompass:

Dein Kapitel-Kompass

  • Meine Eltern mischen sich noch ein, auch nach der Übergabe. → Kapitel 1: Der Vogel über dem Konferenztisch
  • Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich will. → Kapitel 2: Will ich das wirklich?
  • Ich suche meine eigene Rolle zwischen Familie und Unternehmen. → Kapitel 3: Zwischen Herkunft und Verantwortung
  • Ich will im Alltag klarer führen und leichter entscheiden. → Kapitel 4: Und dann kommt die Realität
  • Ich möchte wissen, wie die Autorin arbeitet. → Porträt Alexandra Kärgel

Was haben mir die ersten Rückmeldungen gezeigt?

Mit diesen Reaktionen hatte ich nicht gerechnet. Mein Buch wird keineswegs nur von Nachfolgerinnen gelesen. Das freut mich natürlich sehr. Was mich aber besonders berührt, ist etwas anderes.

Einige Leserinnen und Leser erzählen mir, dass sie beim Lesen angefangen haben, über ihren eigenen beruflichen Weg nachzudenken. Über ihre Anfänge, ihre Entwicklung und die Entscheidungen, die sie damals getroffen haben. Andere konnten eine aktuelle Situation plötzlich aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Und dann ist da noch etwas, das mehrfach angesprochen wurde: meine Offenheit. Ich erzähle in meinem Buch auch davon, wo ich Schwierigkeiten hatte, an mir gezweifelt habe oder schlicht überfordert war. Das alles gehört zu meinen fast 30 Jahren als Nachfolgerin und Geschäftsführerin. Rückblickend kann ich vieles besser einordnen als damals.

Der psychologische Blick

Der Psychologe Dan McAdams beschreibt mit der narrativen Identität, dass wir unser Leben als Geschichte erzählen, um ihm Sinn zu geben. Wenn wir die ehrliche Geschichte eines anderen Menschen lesen, beginnen wir fast automatisch, unsere eigene neu zu sortieren. Dazu passt eine Beobachtung des Sozialpsychologen Elliot Aronson, der Pratfall-Effekt. Menschen, die kompetent sind und trotzdem eine Schwäche zeigen, wirken nahbarer und sympathischer als Menschen, die perfekt erscheinen. Offenheit schafft also Nähe, und Nähe macht es leichter, sich selbst ehrlich anzuschauen.

Aus meiner Erfahrung

Ich wollte mit meinem Buch vor allem Nachfolgerinnen erreichen und ihnen zeigen, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind. Damals hätte ich mir selbst so jemanden gewünscht, der offen sagt, wie es wirklich war. Heute bin ich die Nachfolgebegleiterin, die ich damals selbst gebraucht hätte.

Dass meine Erfahrungen auch andere Menschen dazu bringen, ihre eigene Geschichte zu reflektieren, ist für mich eine besonders schöne Rückmeldung. Es zeigt mir, dass Offenheit etwas bewegen kann. Und vielleicht ist genau das der vierte Weg, den das Buch frei macht: den Blick zurück auf den eigenen Weg.

Ein paar Fragen, die du dir mit dem Buch auf dem Tisch stellen kannst, ob du Nachfolgerin bist oder nicht:

  1. Wann hast du zuletzt auf deine beruflichen Anfänge zurückgeblickt und gedacht: Heute würde ich manches anders machen?
  2. Wer in deinem Umfeld müsste noch den Weg frei machen, damit du deinen eigenen gehen kannst?
  3. Wo stehst du dir gerade selbst im Weg?
  4. Für wen könntest du selbst den Weg frei machen, im Unternehmen, im Team oder in der Familie?
  5. Welcher Merkkasten aus dem Buch soll diese Woche aufgeschlagen auf deinem Schreibtisch liegen?

Wenn du wissen willst, wo du in deiner Nachfolge gerade stehst, mach gern meinen kostenlosen Nachfolge-Selbsttest.

Hol dir den Weg frei auf deinen Tisch

„Weg frei für Nachfolgerinnen“ gibt es als Taschenbuch für 25 Euro. Auf der Buchseite findest du alle Infos. Bestellen kannst du es direkt beim Verlag oder bei Amazon. Du hast das Buch schon? Dann leg es dir heute sichtbar auf den Schreibtisch. Du hast das Buch noch nicht? Dann ist jetzt ein guter Moment. Du musst es nicht sofort von vorne bis hinten lesen. Schlag einfach das Kapitel auf, das gerade zu deiner Situation passt.

Zum Buch Beim Verlag bestellen Bei Amazon bestellen

Trägst du ein Thema mit dir herum?

Wenn dir beim Lesen etwas begegnet ist, das du gern einmal in einem geschützten Raum besprechen möchtest, dann lass uns reden. Ich freue mich auf dich.

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Häufige Fragen

 

Für wen ist das Buch „Weg frei für Nachfolgerinnen“?

Vor allem für Nachfolgerinnen in Familienunternehmen und für junge Frauen, die überlegen, ob sie in die Nachfolge gehen. Die ersten Rückmeldungen zeigen aber, dass sich auch die abgebende Generation, Führungskräfte und Menschen, die über ihren eigenen beruflichen Weg nachdenken, darin wiederfinden.

Was bedeutet der Titel „Weg frei“?

Er steht für drei Ebenen: Die abgebende Generation lässt los, die Nachfolgerin entfaltet sich mit ihrem eigenen Stil, und das ganze Umfeld von Mitarbeitenden über Kunden und Berater bis zur Familie zieht mit.

Gibt es das Buch auch als E-Book?

Zuerst gibt es das Buch bewusst nur gedruckt. Es soll als Symbol auf dem Tisch liegen und sichtbar bleiben, damit du immer wieder hineinschaust.

Wo kann ich das Buch bestellen?

Über meine Buchseite, direkt beim Verlag Aldag in Hamburg oder bei Amazon. Das Taschenbuch kostet 25 Euro.

Muss ich das Buch von vorne bis hinten lesen?

Nein. Die Kapitel stehen für sich, und die Merkkästen fassen das Wichtigste zusammen. Du kannst mit dem Kapitel starten, das dich gerade am meisten beschäftigt, und es gut häppchenweise lesen.

Warum fällt das Loslassen in der Nachfolge so schwer?

Weil das Unternehmen für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ein Teil ihrer Identität ist. Hilfreich ist der Blick auf das, was weiterlebt, wenn man den Weg frei macht.

 

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Über mich

Ich bin Alexandra Kärgel. Mit 26 Jahren übernahm ich die Nachfolge im Familienunternehmen meines Vaters. Fast 30 Jahre später verkaufte ich meine Anteile. Heute begleite ich Nachfolgerinnen in Familienunternehmen dabei, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. 30 Jahre unternehmerische Praxis, Psychologin MSc. und MasterCoach. Ich bin die Nachfolgebegleiterin, die ich damals selbst gebraucht hätte.

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